Der Wecker klingelte heute erst um 8 Uhr, der Blick aus dem Fenster bestätigte erst mal das prognostizierte Unwetter. Es war sehr neblig, es wehte ein starker Wind und es regnete ein wenig. Die Grafik in der Wetterapp gestern Abend verhieß Schlimmes. Deswegen trafen wir uns erst um 9 zum Frühstück und hatten alle Zeit der Welt. Die Straße sollte ja bis 14 Uhr gesperrt bleiben. Im Gespräch erklärte uns der Hotelchef aber: „Ja, die Straße ist gesperrt, aber wenn ihr wollt, könnt ihr fahren, das ist ja niemand zum Kontrollieren…“ Italien… Na toll, dachten wir und einigten uns darauf, dass wir gegen 11 einen Startversuch unternehmen.

Es regnete leicht, also zogen wir gleich die Regenklamotten an und fuhren um 11:30 Uhr los. Die enge, kurvige Bergpassage gingen wir sehr vorsichtig an. Wir wussten ja nicht, ob das „Unwetter“ vielleicht irgendwelche Hindernisse auf die Fahrbahn gespült hatte. Also ging es zum Anfang sehr umsichtig um jede Kehre, aber alles sah gut aus.
Je höher wir zum Passo della Scoligna kamen, umso schlechter wurde die Sicht. Auf den letzten Metern zur Passhöhe schaltete ich vorsichtshalber das Fernlicht ein, damit man mich besser sehen konnte. Wir waren allerdings die Einzigen, die hier unterwegs waren. Nachdem wir den Pass überwunden hatten, wurde es merklich besser. Es regnete nicht mehr, nach ein paar Kilometern schaute die Sonne auch wieder durch die Wolken. Beim ersten Tankstopp musste ich unbedingt aus den Regenklamotten, weil ich schon komplett durchgeschwitzt war, denn kalt war es die ganze Zeit nicht. Die Fahrerei wurde immer besser und wir hatten noch ziemlich viel Spaß, bis wir Piacenza erreichten. Die Stadtdurchfahrt war anstrengend, der Name „Piacenza“ ist ja sehr schön, die Stadt selber hingegen nicht so sehr. Danach wurde es aber richtig unangenehm, denn wir mussten, wie schon auf der Hinfahrt, wieder die fruchtbare Po-Ebene durchqueren. Das ist wirklich der unschöne Teil von Italien. Riesige, industriell bewirtschaftete Landflächen, unzählige Mega-Mastställe und über allem hing ein übler Gestank von Mist und Gülle. Ich habe ja schon oft erwähnt, wie intensiv das Mopedfahren ist, weil man halt alles ungefiltert mitbekommt. Das war hier mal die unangenehme Seite. Die Straßen liefen alle schnurgerade, so konnten wir zumindest zügig voran kommen. Es gab auch nur eine kurze Kaffeepause und wir waren froh, als die ersten Bergen in Sicht kamen.
Gegen 17 Uhr kamen wir in Paratico am Lago Iseo an, wo wir am alten Bahnhof im zum Hotel und Restaurant umgebauten Lokschuppen untergebracht sind. Wirklich eine tolle Location, mit viel Flair und Charakter. Zum Ankerbier im Restaurant wurden wir sehr freundlich empfangen, der Kellner eröffnete uns auch gleich, dass wir als Hotelgäste 10 % Nachlass auf alle Speisen und Getränke bekommen. Prima!



Vor dem Essen machten wir noch einen Spaziergang zum See und schauten uns in der Stadt um, dabei fanden wir auch gleich eine gute Gelateria…




Nach etwas Bewegung konnten wir dann guten Gewissens zum Essen gehen. Schon bei der Vorspeise (Käse und Schinken) verdrehten alle die Augen, so gut war das. Auch die Hauptspeisen und die Desserts waren hervorragend. Hier hatte Matze wieder ein gutes Händchen für die Wahl unserer Unterkunft bewiesen.



„Bis jetzt“ (Running Gag) waren alle Schlaf- und Essensplätze Top! So saßen wir noch eine ganze Zeit bei einem Absacker und etlichen Geschichten zusammen, bis die Betten riefen.
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Ja, manchmal läuft nicht alles so toll, aber ihr macht immer das Beste draus und könnt alles Positive genießen. Heute einen schönen Tag! 🌞